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Kartoffeldämpfer

Mobirise

Im Jahre 2002 wurde der Dämpfer vom Oldtimer-Club kurz vor dem verschrotten gerettet. Er wurde für wenig Geld gekauft und abgeholt.

Es vergingen ein paar Jahre bis die Restauration vorgenommen werden konnte.

Bei der ersten Befüllung mit Wasser lief mehr Wasser in den Brennraum als in den Kessel, das hieß der Kessel mußte ganz neu gemacht werden. Bevor dies aber durchgeführt werden konnte mußten Technische Daten des Kessels in Erfahrung gebracht werden.

Der Dämpfer wurde von der Firma Bruns in Bad Zwischenahn gebaut, das Baujahr ist nicht bekannt. Durch Zufall kamen wir auf die Person die zuletzt mit dem Dämpfer gearbeitet hatte, und konnten so viele Daten von dem Dämpfer in Erfahrung bringen.

Im Februar 2008 war es dann soweit, der erste Probelauf konnte beginnen, es war ein toller Erfolg. Bis auf ein paar Kleinigkeiten lief es sehr gut.

Im Juni 2008 konnte der Dämpfer erstmalig auf unserer Ausstellung vorgestellt werden, es wurde sehr viel Lob für die gute Restauration und Funktionalität des Dämpfers ausgesprochen von den Besuchern und Ausstellern. 

Die ersten Dämpfmaschinen gab es in der Niedergrafschaft nach dem zweiten Weltkrieg. Das Kartoffeln dämpfen war im Herbst auf jeden Hof ein Ereignis. Man musste sich lange vorher bei der Maschinengemeinschaft oder Lohnunternehmen anmelden und warten, bis man an der Reihe war. Vom vorigen Hof wurde der Dämpfer gebracht oder man musste ihn abholen. Einige Bauern hatten einen Traktor, der zog dann die schwere Anlage oder es mussten bis zu drei Pferde vorgespannt werden, um durch die im Herbst aufgeweichten Sandwege zu gelangen. Der Dämpfer wurde meist in der Nähe des Kartoffelhaufens, der Erpelrippe aufgebaut. Die jeweiligen Bauern mussten für einen Wasservorrat, meist ein Jauchefass voll, und für trockenes Brennmaterial sorgen. Jeweils ein Arbeiter kam mit dem Dämpfer und arbeitete 12 Stunden, dann kam ein anderer, so dass die Dämpfanlage rund um die Uhr im Einsatz war. Der Arbeiter pumpte mit der Hand Wasser in den Dampfkessel und heizte diesen mit Holz oder Torf an, später gab es auch Ölbrenner. Wenn genügend Dampfdruck erreicht war, konnte mit dem Befüllen der drei oder vier separaten Kochkessel begonnen werden.

Neben dem Kartoffelhaufen war die sogenannte Wäsche aufgebaut worden. Vorne war ein Siebkorb, in den die Kartoffeln mit der Kartoffelgreepe eingefüllt wurden und in dem schon der erste Sand abfiel. Dann gelangten die Kartoffeln in die Waschwanne, wo die Kartoffeln durchrührt und von dem restlichen Sand befreit wurde. In der Wäsche setzte sich mit der Zeit viel Sand ab, so dass zwischendurch das Wasser abgelassen und die Waschwanne vom Sand befreit werden musste. Daher gab es an dieser Stelle meist viel Dreck auf dem Hof.

Von der Wäsche, gelangten die Kartoffeln mit einem Förderband mit Bechern nach oben in den Kochkessel, der mit ca. 11 Zentner (550kg) Kartoffeln befüllt wurde. Dann wurde der Kartoffelkochkessel mit einem Deckel fest verschlossen und heißer Wasserdampf aus dem Dampfkessel über einem Rohrsystem zugeführt. Nun garten die Kartoffeln ähnlich wie in einem modernen Dampfdrucktopf. Der Druck ließ langsam nach, bis die Kartoffeln nach ca. 20 Minuten fertig waren. Der fertige Kochkessel wurde zur Seite gedreht und konnte entleert werden. Ein Schieber wurde aufgemacht und die heißen Kartoffeln mit einer Kippkarre in die dafür bestimmte Mulde gekippt. Einige hatten ihr so genanntes Silogatt auch auf gemauert, meist war es nur ein länglicher ausgehobener einen Meter tiefer und breiter Graben unterschiedlicher Länge, in den unten Strohhäcksel kam. Später gab es für den Transport der Kartoffeln ein Förderband mit einer Quetsche davor. Sonst mussten die heißen Kartoffeln von Hand mit einem Misthaken zerstampft werden. Die Kartoffeln wurden auch noch festgetreten und dann mit Papiertüten oder mit Kaff (Spreu) bedeckt und mit Sand luftdicht verschlossen. So konnten die Dämpfkartoffeln silieren und wurden haltbar bis ins nächste Jahr. Zunächst wurden aber im Herbst Kartoffeln noch in einem so genannten Veepott täglich für die Schweine gekocht. Wenn die frischen Kartoffeln alle waren, wurden die Silokartoffeln verfüttert. Dazu wurden diese wie Torf in Blöcke geschnitten und in die Futterküche gebracht. Dort wurden sie durch eine Kartoffelquetsche gedrückt oder von Hand zerkleinert und an die Schweine verfüttert. Ein typischer Kleinbauer hatte 4 bis 5 Muttertiere mit Nachzucht und dämpfte dafür 15 Kessel voll (ca. 8.000 kg) Kartoffeln. Zusätzlich wurde Roggenmehl und Magermilch gefüttert und die Schweine hatten Weidegang. Im Sommer wurde das lange Unkraut (Melde) aus den Rüben und Kartoffelfelder gezogen und zerschnitten in einem sogenannten Schniesump und an die Schweine verfüttert, Mastschweine bekamen auch noch süße Milch (Vollmilch). Die Bauern hatten damals also viel Arbeit, um ihre Schweine zu ernähren. Automatische Fütterungsanlagen, die heutzutage computergesteuert tausende Schweine versorgen ohne dass ein Mensch eine Hand rühren muss, konnte man sich damals wirklich noch nicht vorstellen. 

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